Die Energie der Zukunft

Forscher am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Greifswald  versuchen am heutigen Donnerstag, die Kernfusion zu kontrollieren – nicht nur wenige Sekunden wie bisher, sondern eine glatte halbe Stunde lang. Darüber berichtet heute Spiegel online. Die Physiker wollen ein Verfahren vorantreiben, das aus einer winzigen Menge Wasserstoff eine gewaltige Menge Energie herausholt.

Dafür haben sie eine aufwändige Anlage, den Fusionsreaktor Wendelstein 7-X, gebaut, die unter anderem sehr hohe und sehr niedrige Temperaturen gleichermaßen zu erzeugen in der Lage ist, schon jetzt mehrere hundert Millionen Euro gekostet hat und derzeit noch deutlich mehr Energie verbraucht als liefert. Aber im Moment geht es ja auch erstmal ums Prinzip. Wenn alles gut geht, kann diese Technik irgendwann einmal in Kraftwerken als neue Primärenergie genutzt werden und so die Energieprobleme der Menscheit lösen.

Viel Glück dabei!

Liebe Forscher in Greifswald, ich wünsche Ihnen von Herzen viel, viel Glück und Erfolg mit Ihrem Vorhaben! Nicht nur, weil viel Arbeit, Zeit, Geld und sicherlich auch Herzblut hineingeflossen ist, sondern weil ich glaube, dass Sie an der Zukunft arbeiten.

Ja, es ist teuer. Ja, es ist aufwändig. Nein, der Erfolg ist nicht garantiert, und ob die Früchte dieser Forschung in absehbarer Zeit in Form von nutzbarer Energie geerntet werden können, steht in den Sternen – aber es ist Grundlagenforschung! Wichtige, unbezahlbare Forschung, die die Energieprobleme der Menschheit auf einigermaßen saubere Art lösen kann.

Verpflichtung gegenüber kommenden Generationen

Dass das nicht innerhalb einer Generation flächendeckend passieren kann, dürfte klar sein; und das trotz immer kürzerer technischer Entwicklungszyklen. Aber wir – damit meine ich jeden Menschen, der geistig und finanziell dazu in der Lage ist – müssen so schnell wie möglich mit der Forschung beginnen, um den Generationen nach uns nicht nur eine vermüllte Welt zu hinterlassen, sondern auch Werkzeuge in Form von Wissen und Erfahrung, um aus diesem Müll wieder herauskommen und es besser machen zu können als wir.

Vielleicht stellt sich am Ende heraus, dass Kernfusion doch nicht der heilige Gral der Energiegewinnung ist, den jeder sucht. Vielleicht sind wir damit auf dem Holzweg – aber wenn wir diesen Weg nicht zumindest probeweise gehen, werden wir es so bald nicht herausfinden. Und ja, das sollte uns auch Forschungsgelder wert sein, die uns jetzt gerade weh tun. Eine Milliarde Euro, die für das Projekt in Greifswald laut Spiegel online veranschlagt sind, tun weh, das gebe ich gern zu.

Ich bin entsetzt über die Kurzsichtigkeit einiger Kritiker

Trotzdem und bei allem Verständnis für im Jetzt verankerte Klientel-Politik: Ich bin entsetzt über die Kurzsichtigkeit einiger Kritiker. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Mecklenburg-Vorpommern erklärt laut Spiegel, man brauche die Kernfusion für die Energiegewinnung nicht, und fordert in seinen Beschlüssen zur Vorbereitung des
Landes-Energiekonzeptes Mecklenburg-Vorpommernden den Ausstieg aus dem Projekt, da die Energiewende schon 2050 komplett umgesetzt sein müsse (Punkt 3.1) – zu früh für ein funktionierendes Fusionskraftwerk. Die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern wollen das Geld auch lieber direkt in erneuerbare Energien stecken.

Äh, ja. Wenn Sie mal über Ihren deutschen Tellerrand hinausschauen, liebe Umweltaktivisten und Politiker: Nicht jedes Land hat dieselben demographischen Gegebenheiten wie unser schrumpfendes Heimatland, ganz im Gegenteil. Insgesamt gesehen wächst die Weltbevölkerung explosionsartig. Parallel dazu schließen immer mehr Länder technologisch auf – und deren Bevölkerung erhebt ebenfalls Anspruch auf Energie. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob wir den Energiebedarf dieser Schwellenländer tatsächlich mit Windkraft, Solaranlagen oder Wellenkraftwerken decken können, zumal auch hier nicht alles komplett super, verträglich und unstrittig ist. Und wenn wir sie allein lassen und ihre eigenen Erfahrungen mit schmutziger Energiegewinnung machen lassen wie unsereins seit der industriellen Revolution – na, Prost Mahlzeit. Es war schön mit dir, Erde.

Wir dürfen auch nach 2050 nicht mit Verbesserungen aufhören

Nicht unser Problem, wenn plötzlich jeder Inder genau wie Europäer und Amerikaner ebenfalls Auto fahren möchte und jeder Afrikaner mindestens genauso gern wie wir einen Kühlschrank hätte? Oh doch, ist es. Eben, weil wir die Mittel und die Möglichkeit haben, uns Gedanken über Alternativen der Energieversorgung der ganzen Welt zu machen, selbst wenn unsere Generation möglicherweise selbst keinen Nutzen mehr daraus ziehen kann. Und nur mal so nebenbei: Auch nach 2050 können wir die Energiegewinnung weiter verbessern. Bis dahin sollten wir zwar ganz sicher was ändern – aber danach ebenso sicher nicht aufhören. Bis wir was Besseres gefunden haben, können wir ja gern noch Windparks in die Landschaft stellen und die Wüste mit spiegelnden Solarfeldern pflastern. Dass „erneuerbar“ nicht zwingend auch „sinnvoll“ und „umweltverträglich“ heißt, ist ein anderes Thema.

 

 

 

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